Würdigung

Die Hochschule für Musik und Tanz in Köln läßt in ihren Räumen neue Orgeln mit speziellen musikalischen Schwerpunkten bauen, die darüber hinaus aber auch für andere Literatur zu verwenden sind.

Für den Raum 108 wird von unserer Werkstatt ein barockes, mitteldeutsches Instrument, erweitert nach instrumentenbaulichen Konzepten von Friedrich Ladegast gebaut. Ladegast war ein Klangkünstler in der Mitte des 19. Jahrhunderts, der die farbenreiche mitteldeutsche Barock-Orgel für die frühromantisch, deutsche Orgelmusik musikalisch und technisch weiterentwickelt hat.

Im Kern ist es noch die barocke mitteldeutsche Orgel, aber durch feinsinnige Änderungen des Mensurenverlaufs und Bauformen der Pfeifen – durch Ansprachehilfen an den Labien und Expressionsschlitzen an den Körpermündungen der Pfeifen wird neuer Klangreichtum erreicht.

Bereichert wurde dies noch durch die Einrichtung eines Schwellwerkes, das den Klang lauter oder leiser, vor allem aber präsent und entrückt darstellen konnte. Seine Instrumente begeisterte die damaligen deutschen romantischen Tondichter – im besonderen seien hier Liszt und Reupke genannt.

Die neuerlichen Instrumente regten sie zu neuen, herausragenden Kompositionen an. Darüber hinaus war Ladegast auch an technischen Neuerungen interessiert. Seine persönlichen Kontakte zu Aristide Cavaillé-Coll in Paris trugen dazu bei, seine großen Instrumente spielbar einzurichten. Es war die Einführung der Barkermaschine nach einem ähnlichen System, wie es  Cavaillé-Coll baute. Von ihm  hat er auch das symphonische Windsystem übernommen: Der Orgelwind ist innerhalb des Klaviaturverlaufs bei den einzelnen Werken getrennt, im Baß schwächerer, im Diskant stärkerer Orgelwind – für eine gute Ansprache und Melodiebetonung der Pfeifen. Tiefe Pfeifen brauchen weniger Druck, aber viel Wind, hohe Töne brauchen mehr Druck, aber weniger Wind.

Bei seiner großen Orgel in Schwerin ist das Windsystem so aufgebaut und in aller Großartigkeit zu hören. Das Instrument ist nicht laut, sondern tragfähig und gravitätisch – im Plenum nicht scharf, sondern strahlend leuchtend. Stolz war er auf sein frei einstellbares, mechanisches  Register-Crescendo, das wir heute schlicht “Walze“ nennen. Mit diesen technischen und klanglichen Neuerungen hat er den Weg für ein modernes, heutiges Instrument vorgezeichnet.

Das dreimanualige Instrument für den Raum 108 wird nach den beschriebenen Gesichtspunkten mit Hauptwerk, Positiv, Schwellwerk und Pedal gebaut. Das Instrument nimmt musikalische Bezüge auf zur barocken Literatur J.S. Bachs und Zeitgenossen und der deutschen Frühromantik mit Liszt, Reupke, Mendelssohn und andere. Es ist das musikalische Zentrum des Instrumentes. Darüber hinaus ist das Instrument – nach seiner technischen und klanglichen Anlage – auch für spätere Musik geeignet, vor allem für Neue Musik.

Disposition

Entwurf

I. Man. Hauptwerk

 

Bordun

Principal

Viola da Gamba

Flauto traverso

Rohrflöte

Octave

Spitzflöte

Quinte

Octave

Terz

Mixtur

Fagott

Trompete

 

Tremulant I

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4-5 fach

 

 

 

 

16

8

8

8

8

4

4

2 2/3

2

1 3/5

2

16

8

II. Man. Oberwerk

 

Gedackt

Quintatön

Salicional

Principal

Kleingedackt

Nasard

Octave

Sesquialtera

Larigot

Chalumeau

 

 

 

 

Tremulant II

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 fach

 

 

8

8

8

4

4

2 2/3

2

 

1 1/3

8

 

III Man. Schwellwerk

 

Still Gedackt

Geigenprincipal

Viola

Piffaro

Lieblich Gedackt

Fugara

Traversflöte

Piccolo

Harmonia

aetheria

Horn

Oboe

Vox humana

 

 

Tremulant III

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3 fach

 

 

16

8

8

8

8

4

4

2

 

 

8

8

8

Pedal z.T schwellbar*

 

Untersatz

Violonbaß

Subbaß

Zartbaß

*Echobaß

Octavbaß

Violoncello

Baßflöte

Octave

Posaune

Baß Trompete

Fagott

Fagott

Trompete

Cornet

 

 

 

32

16

16

16

16

8

8

8

4

16

8

16

8

4

2

 

Koppeln

 

  II

 III

   III

     I

   II

 III

 

 - I

 - I

 - II

 - P

 - P

 - P

 

 I

III-I

II

III-II

III

 

 / 16

 / 16

 / 16

 / 16

 / 16

Zusätzliche Züge

Klassischer Wind  an

Walze    an

 

Echobaß mit Schweller II. Manual