Venezianische Orgel (1780)
Die italienische Orgel
Orgeln sind bereits für den Anfang des ersten Jahrtausends in Rom belegt. Schon im Mittelalter erreichte das Instrument seine Vollkommenheit und wurde sowohl technisch als auch klanglich bis ins 19. Jahrhundert, mit regionalen Unterschieden, unverändert gebaut. In Norditalien gab es ab dem 16. Jahrhundert mit den Zentren Milano und Venedig eine Blütezeit in Baukunst, Malerei, Musik und Instrumentenbau. Bei den Orgeln zeigte sich dies besonders im Äußeren und der künstlerischen und klanglichen Qualität der Instrumente.
Das Äußere der Orgelwerke wurde meist von Architekten, die selbst Künstler in verschiedenen Bereichen waren, entworfen und mit der übrigen Ausstattung der Gebäude und Innenräume von weiteren spezialisierten Kunsthandwerkern vollendet. Die Orgelbauer fügten dann das Orgelwerk in das geräumige kostbare Gehäuse ein. Es entstanden so Instrumente, die heute architektonisch, künstlerisch und instrumentenbaulich von unschätzbarem Wert sind. Instrumente, die die Musik von Monteverdi, Frescobaldi, Vivaldi und ihren Zeitgenossen musikalisch zur Vollendung bringen können.
Die venezianische Orgel von 1780
Das Äußere
Der Gesamteindruck des Instrumentes entspricht einer Triumphbogen-Architektur auf hohem schlichten Sockel. Der Triumphbogen wird von zwei Pilastern mit korinthischen Kapitellen flankiert und nach oben mit dem Tympanon, mit klassischen Profilen, Gebälk, Zahnschnitt und Mittel-Rosalie abgeschlossen.
Das Äußere ist in farblich unterschiedlicher Marmorimitation gearbeitet, bemalt und vergoldet und entspricht der venezianischen Architektur-Malerei, die im Venedig des 18. Jahrhunderts Mode war.
Mit dem bemalten Innenraum des Gehäuses, den Prospektpfeifen Principale Bassi/Soprani, den plastischen Gesimsen, bemalten Ornamenten und figürlichen Aufsätzen verbinden sich Äußerliches, musikalisch Klangliches und Architektur zu einer wunderbaren Einheit, zu unvergleichlicher Harmonie von Kunst und Wohlklang der venezianischen Orgel.
Das Instrument
Das venezianische Instrument besteht aus drei Teilen:
- aus dem prachtvollen Gehäuse mit Principale Bassi/Soprani im Prospekt und den übrigen Manualregistern, sie entfalten ihre repräsentative Schönheit und Pracht
- dem Pedalregister Contrabassi, das als Baßregister frei hinter dem Gehäuse steht
- der separat stehenden Windanlage mit zwei historischen Mehrfaltenbälgen, der Orgelwind kann mit der Hand geschöpft werden
Das Klangliche
Das Principale Bassi / Soprani gehört zum kostbaren Äußeren und dem eindrucksvollen Musikalischen des Instrumentes. Es ist das Register Universale. In seiner mitteltönigen Stimmung ist es wunderbar einzeln zu spielen, ist mit seiner Klarheit und Milde vorzüglich als Begleitregister geeignet und klingt zusammen mit dem Ripieno des Instrumentes festlich.
Für seine Zeit ist das venezianische Instrument modern – in die Zukunft weisend. Mit der weiteren 8-füßigen Stimme im Manual, der Flauto in selva Soprani, kann das Instrument auch für die Anfänge der Musik der Klassik Verwendung finden. Das zweite Zungenregister Gamba Bassi ist im Besonderen für das Zusammenspiel und die Begleitung von Chor, Instrumentalisten und Vokalisten geeignet. Und mit seinen Affekt-Registern Tamburo (Trommel) und Uccelli (Vogelstimme) ist es das Instrument für die dramatische, lyrische Musik, die Musik der Oper mit ihren wunderbaren Arien, die besonders im 18. Jahrhundert in Venedig populär waren.
Die Disposition
Die Windanlage
Der Orgelwind ist für den Klang der italienischen Orgel entscheidend. Er gleicht einem atmenden Sänger. Zwei feingliedrige Mehrfaltenbälge können per Hand betätigt, den Orgelwind differenziert schöpfen.
Die Balganlage steht separat neben der Orgel – Spieler und Calcant gestalten gemeinsam das Musikalische.